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Personen auf alten Familienfotos erkennen

An elderly man and her son and grand-daugther examining an old photograph together by afternoon light, a shoebox of prints on their laps.

Um Personen auf alten Familienfotos zu erkennen, geht man am besten wie ein Detektiv vor. Beginne mit den physischen Hinweisen: die Art des Abzugs, der Name des Fotografen auf der Karte, die Kleidung, das Auto im Hintergrund, die Beschriftung auf der Rückseite. Nimm dann deine am sichersten datierten Fotos zu den ältesten noch lebenden Verwandten — und zeig ihnen die Bilder, eines nach dem anderen.

Die meisten geerbten Fotos sind ohne Namen. Nach einem Todesfall taucht eine Schachtel auf, voller Gesichter, die niemand mehr zuordnen kann. Die gute Nachricht: Ein Foto enthält mehr Informationen als das Gesicht allein. Man muss nur lernen, es zu lesen.

Wo fange ich bei einer Schachtel unbenannter Fotos an?

Erst sortieren, dann lösen. Lege die Fotos aus und ordne sie nach Abzugstyp — denn das Format allein gibt schon einen ungefähren Hinweis auf die Entstehungszeit.

Die ältesten Exemplare sind meist leicht zu erkennen. Daguerreotypien — spiegelartige Bilder auf versilbertem Kupfer, in einem kleinen Klappetui — kamen zuerst. Das Daguerreotypie-Verfahren wurde der Öffentlichkeit am 19. August 1839 in Paris vorgestellt; ein Foto dieses Typs in deiner Schachtel weist also auf die Mitte des 19. Jahrhunderts hin.

Danach kamen die Karteifotografien. Die kleine Carte de Visite, ein Abzug auf einer etwa visitenkartengroßen Pappe, war zwischen ungefähr 1859 und den frühen 1870er Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks überaus beliebt. Ihr größeres Nachfolgeformat, das Kabinettfoto, wurde 1863 in London eingeführt und erreichte die Vereinigten Staaten im Jahr 1866. Ist dein Foto auf steife Pappe aufgezogen und trägt unten den Namen eines Fotografen, handelt es sich wahrscheinlich um ein Bild aus den 1860er bis 1890er Jahren.

Dann kam die Knipser-Ära. Kodak brachte die Brownie-Kastenkamera im Februar 1900 für einen Dollar auf den Markt, und gewöhnliche Familien konnten plötzlich selbst zu Hause fotografieren. Lockere, ungezwungene Außenaufnahmen — ein Baby auf einer Treppenstufe, Menschen, die in einem Garten in die Sonne blinzeln — stammen in der Regel aus der Zeit ab 1900.

Noch bevor du ein einziges Gesicht benennst, kannst du ein Foto also oft schon allein durch seinen Typ auf ein oder zwei Jahrzehnte eingrenzen.

Welche Hinweise suche ich im Foto selbst?

Ist ein Foto grob datiert, lies es genau. Eine Lupe oder ein Smartphone mit Zoom hilft dabei.

  • Der Fotografenstempel. Name und Ort, die auf einem Kabinettfoto oder einer Postkarte gedruckt sind, verraten, wo die Familie lebte. Alte Branchenverzeichnisse und lokale Heimatvereine können manchmal die genauen Betriebsjahre eines Studios belegen.
  • Kleidung und Frisur. Moden wechselten schnell. Die Form eines Ärmels, ein Herrenkragen, ein Kindersaum, die Art, wie das Haar gescheitelt und gesteckt ist — das alles kann eine Datierung auf wenige Jahre genau erlauben. Modemuseen datieren undatierte Porträts auf genau diese Weise.
  • Autos, Schilder und Straßen. Ein Auto im Hintergrund lässt sich auf ein Modelljahr datieren. Ebenso ein Ladenschild, ein Kennzeichen, ein Bus oder ein Fahrrad. Diese Dinge datieren das Foto, nicht nur die Mode.
  • Die Kulisse. Ein gemalter Studioprospekt, eine bestimmte Veranda, eine vertraute Küche. Taucht dieselbe Veranda auf einem Foto auf, das du benennen kannst, hast du eine Verbindung.
  • Die Rückseite des Abzugs. Drehe jedes Foto um. Bleistiftnotizen, ein Datum, ein Studiostempel, ein Laborzeichen — auf der Rückseite verbergen sich die Antworten. Schreibe niemals auf die Vorderseite; wenn du selbst etwas ergänzt, nimm einen weichen Bleistift.

Wie ordne ich ein unbekanntes Gesicht einem bekannten Namen zu?

Suche nach demselben Gesicht auf verschiedenen Fotos. Ein Mann auf einer Hochzeit könnte auch der Junge auf einem früheren Porträt sein. Halte zwei Abzüge nebeneinander und vergleiche Ohren, Nasenform, den Augenabstand — Merkmale, die sich mit Alter und Mode nicht verändern.

Achte darauf, wer neben wem steht. In Familiengruppen ordnen sich die Menschen nach ihrer Beziehung zueinander. Paare stehen zusammen. Kinder sitzen vor ihren eigenen Eltern. Die älteste Generation nimmt oft die mittleren Stühle ein. Die Position ist ein Hinweis.

Behalte auch wiederkehrende Gegenstände im Blick — eine Brosche, eine Taschenuhr, ein Stuhl, der auf mehreren Porträts auftaucht. Erbstücke wurden in derselben Familie weitergegeben, und die Gewohnheit, sich damit fotografieren zu lassen, ebenso.

Was, wenn die ältesten Verwandten meine beste Quelle sind?

Das sind sie. Kein Archiv schlägt jemanden, der dabei war. Bevor du stundenlang rätselst, zeig deine Fotos — beginnend mit den bereits datierten — den ältesten Menschen in deiner Familie.

Ein paar Dinge helfen dabei, dass diese Gespräche wirklich etwas bringen:

  • Bring die echten Fotos mit, oder klare Ausdrucke in Originalgröße — kein Handybildschirm. Gesichter erkennt man besser in der Hand, in echter Größe.
  • Zeig jeweils ein Foto. Eine ganze Schachtel auf einmal überfordert.
  • Frag um die Person herum, nicht nur nach dem Namen. „Wessen Bruder war er?" „Wo wurde das aufgenommen?" „Wie war sie so?" Eine Erinnerung öffnet oft die nächste.
  • Nimm das Gespräch auf — mit Erlaubnis. Du wirst nicht jeden Namen behalten, den sie nennen.
  • Zeig dasselbe Foto zwei verschiedenen Verwandten. Sie werden sich widersprechen, und dieser Widerspruch ist wertvoll — er zeigt dir, wo du weitergraben solltest.

Schreibe auf, was du erfährst, und zwar sofort. Ein Name, der gehört und nicht notiert wird, ist ein Name, der wieder verloren geht.

Wie bewahre ich das Gefundene, damit es nicht erneut verloren geht?

Darum geht es ja: Der Nächste soll keine Schachtel voller Unbekannter erben. Sobald du ein Gesicht identifiziert hast, beschrifte es — mit einem weichen Bleistift auf der Rückseite und zusätzlich in einer einfachen Liste oder Tabelle mit einer Nummer, die jedem Foto entspricht.

Noch besser: Schreibe die Geschichte auf, solange die Person, die sie erzählt hat, noch lebt. Der Name ist der Anfang; was du wirklich willst, ist der Satz, der danach kommt — wen sie geheiratet hat, warum er weggegangen ist, wie diese Veranda im Sommer aussah. Manche Familien sammeln diese Fotos und die Erinnerungen dahinter in einem schriftlichen Erinnerungsbuch; Dienste wie MemoryCrafter verwandeln das in ein gedrucktes Buch. Wie auch immer du sie bewahrst, das Ziel ist dasselbe: Das Gesicht im Foto soll seinen Namen behalten.

Fang mit dem ältesten Verwandten an, den du hast, und dem ältesten Foto, das du datieren kannst. Dann geh ein Bild nach dem anderen durch.

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